Tasmania Berlin – Rekorde die keiner will

SC Tasmania 1900 Berlin, gegründet 1900 im Berliner Bezirk Neukölln, erlangt bis heute unerreichte Rekorde in der Fußball-Bundesliga. In nur einer einzigen Saison, stellten sie in vielen Bereichen Bestwerte auf. Dabei standen sie vor exakt 52 Jahren auf Platz 18 der Bundesligatabelle und stiegen nach nur einem Jahr direkt wieder ab.

Nachdem sich Tasmania Berlin als Berliner Verein zunächst zwei Jahre lang erfolglos für die neu geschaffene Bundesliga beworben hatte, durften sie überraschenderweise im Jahr 1965 doch in der Bundesliga antreten. Denn im Februar 1965 wurden bei einer Kontrolle der Kassenbücher des Erstligisten Hertha BSC Berlin, Fehlbeträge in Höhe von 192.000 D-Mark festgestellt. Nach den damaligen Statuten der Bundesliga wurde der Verein, wegen Verstoßes gegen die Regelungen der Liga, ausgeschlossen. Zu dem damaligen Zeitpunkt waren übrigens nicht 18, sondern 16 Mannschaften in der Bundesliga vertreten. Nach der Saison 1964/1965 sprachen sich die Bundesligavereine immerhin auf eine Erhöhung der Liga auf 17 Vereine aus. Diesen Wunsch genehmigte der DFB, der Deutsche Fußballbund.

Nachdem nun also Hertha BC Berlin zwangsabsteigen musste und die Karlsruher, die zuvor auf dem 15. Platz gelandet waren, somit einen Platz nach oben kletterten, gab es nun theoretisch zwei Absteiger, FC Schalke 04 und Hertha BSC Berlin, sowie zwei Aufsteiger aus der damaligen Regionalliga. Dort hatten sich nämlich der FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach erfolgreich qualifiziert. Die Berliner Vereine Tasmania und Tennis Borussia Berlin legten jedoch eine Beschwerde gegen die Karlsruher ein, da sie ja sportlich eigentlich abgestiegen waren und in die zweite Liga müssten. Dieser Beschwerde wurde stattgegeben und so wurden drei Absteiger beschlossen und drei Aufstiegsplätze aus der Regionalliga angeboten. Die ersten zwei gingen also an die Bayern aus München und die Borussia aus Mönchengladbach.

Hertha BSC Berlin war ein Absteiger und sollte, auch auf Drängen des Axel-Springer-Verlags, durch einen Berliner Klub ersetzt werden. Damals war Berlin noch eine geteilte Stadt und hatte somit eine Art Sonderstatus. Deshalb wurde entschieden, eine Mannschaft aus der Berliner Regionalliga als drittes Team zu wählen. Der erstplatzierte Tennis Borussia Berlin war bereits zuvor in der Aufstiegsrunde gescheitert und der Zweitplatzierte Spandauer SV verzichtete auf den Aufstieg. So kam es, dass der Drittplatzierte, SC Tasmania 1900 Berlin, in die Bundesliga aufstieg.

Da die Liga nun allerdings 17 Vereine in der Bundesliga haben sollten, wurde der Abstieg des Karlsruher SC aufgehoben. Und da dies nicht genug war, wurde aufgrund der Kritik, dass Vereine aus Westberlin ja nicht gut genug seien, die Schalker doch noch als achtzehnte Mannschaft in die Bundesliga aufgenommen.

Von diesem Tag an, wurde die Meisterschaft von 18 Mannschaften ausgetragen. Eine Ausnahme machte hier nur die Saison 1991/1992, in der aufgrund des Zusammenschlusses von BRD und DDR mit 20 Mannschaften gespielt worden war. In dieser Saison verspielte übrigens Eintracht Frankfurt am letzten Spieltag gegen den bereits abgestiegen FC Hansa Rostock die Meisterschaft. (Das irre Saisonfinale von 1992 – Deutscher Meister VfB Stuttgart).

Torwart holt Ball

Torwart Heinz Rohloff (Tasmania Berlin) holt wie so häufig enttäuscht den Ball aus dem Netz

Was nun vorher über die Stärke Berliner Regionalisten schon vermutet worden war, wurde für Tasmania Berlin zur bitteren Realität. Sie bekamen einfach keine konkurrenzfähige Mannschaft zusammen und wurden so Spiel für Spiel abgeschossen. Bis heute gehören dem Verein unzählige Rekorde.

Dazu gehören:

  • Letzter Platz in der ewigen Bundesliga-Tabelle
  • schlechteste Saisonbilanz der Bundesliga: wenigste Tore (15), meiste Gegentore (108), wenigste Punkte (8:60 nach der Zwei-Punkte-Regel; 10 nach der Drei-Punkte-Regel), wenigste Siege (2; zusammen mit dem Wuppertaler SV 1974/75), meiste Niederlagen (28)
  • einziger Bundesligaverein ohne Auswärtssieg
  • längste Serie ohne Sieg (31 Spiele; 14. August 1965 bis 21. Mai 1966)
  • höchste Heimniederlage der Bundesliga (0:9 gegen den Meidericher SV am 26. März 1966)
  • Frühester Bundesligabstieg der Geschichte – bereits nach dem 28. Spieltag
  • Bundesliga-Spiel mit den wenigsten Zuschauern: Am 15. Januar 1966 wurde mit 827 Zuschauern (gegen Borussia Mönchengladbach) der Tiefststand erreicht

Diese Zahlen sprachen eine deutliche Sprache. Während am ersten Spieltag noch 81.500 Zuschauer gegen Karlsruhe im Stadion weilten, waren bei der folgenden Begegnung schon nur noch 70.000. So ging es munter weiter nach unten. Der Zuschauerschnitt lag am Ende bei rund 19.400 Zuschauern, also einem Viertel im Vergleich zum Beginn.

Was folgte, war dann noch schlimmer. Im Juli 1973 meldete der SC Tasmania 1900 Berlin Bankrott an und wurde als Verein aufgelöst, nachdem man zuvor noch in den Jahren 1969, 1971 und 1972 an den Aufstiegsrunden zur Fußballbundesliga gescheitert war.

Foto: imago Rust/Werner Otto

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